DEAR SOCIETY: Rassismus ist Gift #1

Willkommen zu dem ersten Teil meiner neuen Reihe „Dear Society“, in der ich euch auf gesellschaftskritische Themen wie Mobbing, Rassismus und psychische Erkrankungen aufmerksam machen möchte. Anders als in der Reihe „Definition“ spreche ich hier jedoch nicht von meinen eigenen Erfahrungen oder von allgemeinen Problemen, sondern berichte gezielt von euren Erlebnissen.


Vor einiger Zeit habe ich euch auf Instagram darum gebeten mir von euren Erfahrungen mit Rassismus zu erzählen. Da sich überraschenderweise viele gemeldet und mir sowohl Audios als auch Texte geschickt haben, habe ich mich dazu entschlossen in jedem Beitrag dieser Reihe in Laufe der „Rassismus ist Gift“-Thematik zwei Texte mit euch zu teilen. Heute werdet ihr von den Erfahrungen von Heshly und Dave hören, die beide in Deutschland leben und hier geboren und aufgewachsen sind.

Heshly (19 Jahre alt, Baden-Württemberg):


Mit dem Thema Rassismus hat man schon bereits von der Kindheit an Kontakt gehabt, was ziemlich Schade und traurig ist. Denn in diesem Alter egal ob im Kindergarten oder in der Grundschule, sollten Kinder nicht schon merken, dass sie vielleicht anders sind als die anderen. Und das hat man leider oft genug zu spüren bekommen, dass man anders ist.


Die Fragen waren es. „Warum sind deine Handflächen so hell?“ oder „Warum bist du dann nicht am ganzen Körper dunkel?“, fragten Kinder. Die bekannteste Frage, aber ist und bleibt „Warum können Sie denn so gut Deutsch?“ und oft kommt die von einer älteren Dame, die erwartet das man keinen vollständigen Satz bilden kann. Das ist Alltagsrassismus und ich habe schon viele rassistische Bemerkungen hören müssen.


Das Problem ist, dass man sich mit der Zeit einfach daran gewöhnt und die komischen Blicke einfach hinnimmt. Früher war mir das immer unangenehm, aber mittlerweile, wenn ich auf der Straße bin und man mich anguckt, aufgrund meiner Haare, dann motiviert mich das irgendwie auch. Ich weiß dann, ich habe auf jeden Fall ein Markenzeichen und einfach etwas an mir, dass immer wieder ihre Blicke auf mich fallen lässt. Diese Sache haben vielleicht andere Menschen nicht und vielleicht schauen mich deshalb andere Menschen an. Ich versuche das Negative, dass die Menschen ausstrahlen wieder irgendwie in was Positives umzuwandeln, damit ich eben nicht darunter leide oder mein Selbstwertgefühl nicht irgendwie zu Schaden kommt.


Eine Erfahrung, an die ich mich besonders erinnern kann, war in der 11.Klasse in meinem Deutschkurs. Ihr müsst euch mal vorstellen, ich war auf einer neuen Schule, einem Gymnasium und wollte mich natürlich richtig anstrengen, weil das Abitur bekanntlich sehr wichtig ist. Mir waren schon meine ersten Ziele für das spätere Berufsleben bekannt und wollte mich dementsprechend einfach nur anstrengen. Ich wusste für dieses Studium brauche ich einen NC oder eben die passenden Noten damit ich zugelassen werde.


Dann saß ich da in der ersten Klassenarbeit und lese diesen Text, in dem sehr häufig das N-Wort verwendet wurde (Text erfolgt im Nachtrag) und war einfach nur geschockt. Das war mehr als verletzend und ich konnte meine Gefühle in diesem Moment einfach nicht kontrollieren oder zuordnen. Ich war traurig, wütend und fassungslos darüber, wie man als Lehrerin, die genau weiß, dass sie eine schwarze Schülerin in ihrem Unterricht hat, so einen abwertenden Text für eine Klassenarbeit nehmen konnte, der sich so gegen Schwarze richtet. Ich habe die Klausur geschrieben und sie war dementsprechend nicht besonders gut.


Nach einigen Wochen folgte dann die Besprechung der Arbeit und meine Lehrerin bestand so richtig darauf, dass man den Text laut vorliest und hatte dann auch noch angegeben, dass sie den Text sehr mag und wie aktuell er doch sei. Sie brachte den Text dann nochmal in der 13.Klasse bei der Abitur-Vorbereitung mit und las ihn vor dem ganzen Kurs vor. Dabei betonte sie sehr offensichtlich das N-Wort und genoss es förmlich es zu sagen. Vielleicht denken einige, ich sei empfindlich, weil ich Schwarz bin, aber selbst einer meiner Mitschülerinnen sagte, sie hätte es übertrieben. Aber es war nun mal das Lieblingsgedicht meiner Lehrerin.


Dave (21 Jahre alt, Saarland):


Ich bin halb Nigerianer und halb Deutscher. Aufgrund meiner dunklen Hautfarbe wurde ich öfters mit Ablehnung oder kritischen Blicken konfrontiert. Eines der Ereignisse welches mir bis heute im Kopf geblieben ist erzähle ich euch nun.


Ich spielte Fußball und wurde im Alter von 17 zum aktiven Kader meiner Mannschaft hochgezogen. Für mich ging ein kleiner Traum in Erfüllung, da ich Fußball zu diesem Zeitpunkt über alles geliebt habe. Da ich mit Abstand der Jüngste war, war ich während des Trainings und den Spielen sowieso schon angespannter als normalerweise.

Eines Tages hatten wir in der Sommervorbereitung ein Testspiel, bei dem ich zunächst auf der Bank saß. Im Laufe des Spiels wurden wir dann zum Warmmachen geschickt, was direkt vor der gegnerischen Fankurve stattfand.


Die gegnerischen Fans verdeutlichten daraufhin relativ schnell ihre Abneigung gegenüber mir, in dem sie häufiger das N-Wort schrien, beleidigende und ausländerfeindliche Bemerkungen sowie Affenlaute von sich gaben. In diesen 30 Minuten brach eine Welt für mich zusammen, da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie so krass Rassismus gespürt hatte.


Abschließend will ich sagen, falls ihr euch in so einer Situation befindet, egal wo, sei es auf der Arbeit, in der Schule oder im "Freundeskreis", seid euch bewusst, dass ihr gut seid genauso, wie ihr seid. Wenn ihr ein gutes Herz habt und mit euch im Reinen seid, ist es egal welcher Nazi versucht euch runter zu kriegen. Ihr seid und werdet immer ein besserer Mensch sein als er.