DEAR SOCIETY: Rassismus ist Gift #2

"Ich habe zuviel Hass gesehen, als dass ich selber hassen möchte." - Martin Luther King


Rassismus ist ein Problem, das von Menschen geschaffen wurde und weder angeboren noch biologisch oder genetisch nachvollziehbar ist. Wir sollten Rücksicht aufeinander nehmen und uns nicht aufgrund von Hautfarbe, Sexualität, Religion oder der Geschlechtsidentität beurteilen. Vorurteile und Klischees sollten keinen Raum in unserer Gesellschaft haben.


Heute werdet ihr von den Erfahrungen von Janina und Gafe hören.

Janina (23 Jahre alt, Saarland):


Vor vier Jahren habe ich bei einer Straußjugend mitgemacht. Dort bekam jeder von uns ein T-Shirt mit einem Spitznamen. Auf meinem stand „Quoten Neger“. Sie hatten mich vorher unter Gelächter gefragt, ob das okay für mich sei und ich hatte lachend zugestimmt.


Rückblickend schäme ich mich nur noch dafür und fühl mich zutiefst gedemütigt. Ich hatte einfach zugestimmt, obwohl es mir was ausgemacht hat. Niemand sah darin ein wirkliches Problem. Also habe ich mir eingeredet, dass es keins sei und es einfach zugelassen. Zu dem Zeitpunkt habe ich auch noch alles durchgehen lassen. Ich ließ Leute „Neger“ sagen und mich als exotisch bezeichnen. Oft habe ich mir solche Sprüche wie „ich wollt schon immer mo e Schwarzi bumse“ (saarländischer Dialekt) gefallen lassen.


Früher habe ich immer versucht alles zu verdrängen, im Keim zu ersticken und es bloß nicht an mich ranzulassen, weil ich es einfach nicht konnte. Ich konnte es nicht ertragen, diese eine im Freundeskreis zu sein, die immer und immer wieder schlechter und respektloser behandelt wurde. Das Schlimmste daran war, dass diese Tatsache jedem bewusst war. Immer wieder wollte ich das alles irgendwie vertuschen und mit mir selbst einen Kompromiss ausmachen. Dieses Shirt ist unter anderem das Resultat davon.


Das alles wurde mir aber auch erst im Nachhinein so richtig bewusst. Genau deshalb ist es wichtig aktiv zu werden. Man sollte bewusst, Menschen stören, wenn sie rassistische Dinge tun oder sich rassistisch äußern und sich als BiPoC eine Community suchen, die einem bestärkt. Eine Community, die einem nicht so wie viele andere einreden will, dass man einfach nur übertreibt und doch mal „etwas mehr Spaß verstehen“ soll. Denn Ich bin eine Deutsch-nigerianische Frau, die lightskin ist und niemandes Quoten Neger.

Gafe (17 Jahre alt, Bayern):


München ist an sich eine sehr offene Stadt, aber trotzdem musste ich hier auch schon Erfahrungen mit Rassismus machen. Eigentlich passiert das sogar fast jedes Mal, wenn ich in der Stadt bin. Es war für mich schon immer sehr schwierig, die Sache wirklich zu verstehen. Als ich klein war, habe ich es nicht verstanden und jetzt verstehe ich es immer noch nicht. Natürlich bin ich jetzt viel aufgeklärter und weiß, dass es Leute gibt, die das als falsch ansehen, wenn in Deutschland nicht nur Deutsche leben. Doch vorher war mir das nicht bewusst und es war demnach besonders schwer, jeden Tag hören zu müssen, dass man anders ist. Das sind so meine Erfahrungen mit Rassismus und oft sind es einfach Beleidigungen und rassistische Kommentare.


Ich erinnere mich daran, dass meine Schwester hier in München eine Wohnung kaufen wollte. Aufgrund ihres ausländischen Nachnamens bekam sie jedoch keine Wohnung, da der Besitzer, ihr nicht glauben wollte, dass sie Deutsche ist. Ihr Name habe sich nicht deutsch angehört und demnach wollte er nicht an sie verkaufen. Sie hat ihm daraufhin ihren deutschen Pass gezeigt und ihm erklärt, dass sie Studentin sei und das Gleiche täte, wie andere auch. Er sagte ihr dann, er würde keine Ausländer im Haus wollen.