DEAR SOCIETY: Rassismus ist Gift #3

"Ich bin gegen jede Form von Rassismus und Ausgrenzung, jede Form von Diskriminierung. Ich glaube an die Menschen, und dass alle menschlichen Wesen als solche respektiert werden sollten, ungeachtet ihrer Hautfarbe." - Malcom X


Wir leben noch immer in einer Welt voller Rassismus und Diskriminierung verschiedener Menschengruppen. Wer denkt, das sei kein Problem, soll in meiner Haut stecken, die Blicke spüren und ihre leisen Stimmen im Supermarkt hören. Es reicht nicht aus, zu behaupten kein Rassist zu sein. Es reicht nicht aus einmal im Leben ein schwarzes Quadrat zu posten und danach die weißen Priviligen der Gesellschaft zu genießen. Dear Society, das ist unser gemeinsames Problem und wenn wir alle hart genug an uns arbeiten, dann könnten meine Kinder in der Zukunft vielleicht mal für eine Zeit lang vergessen, dass sie anders sind.


Heute werdet ihr von den Erfahrungen von Yasmin und Amina hören.

Yasmin (18 Jahre alt, Saarland)


Wir waren einmal im Schwimmbad in Dudweiler mit den Kindern vom „Haus Afrika“. Meine Kinder waren im Alter von zehn bis 15 Jahren und es waren nur Mädchen. (Ich nenne sie in diesem Zusammenhang meine Kinder, da ich immer auf sie aufpasse) Im Schwimmbad waren so kleine Jungs, die meine Kinder beleidigten und ihnen sagten, dass sie Neger seien und doch zurück dahin gehen sollten, wo sie herkämen. Also haben wir uns beim Bademeister beschwert. Der sagte uns jedoch nur, dass beide Gruppen aufhören sollten sich gegenseitig zu beleidigen und das, obwohl wir nichts Beleidigendes ihnen gegenüber gesagt hatten.


Im Endeffekt bekamen wir dann eine Verwarnung und der Bademeister drohte uns mit dem Rauswurf, wenn wir nicht aufhören würden uns auffällig zu verhalten. Ich sagte ihm, es handele sich dabei um Rassismus. Im gleichen Moment kamen dann auch ältere deutsche Personen dazu und meinten, dass nicht immer alles direkt Rassismus wäre und wir immer alles auf die Hautfarbe schieben müssten. Es ging aber eindeutig um unsere Hautfarbe, denn diese Kinder hatten uns beleidigt und wurden nicht dafür bestraft. Und ich weiß, wenn meine Kinder jemanden beleidigt hätten, hätte man sie sofort rausgeworfen, ohne überhaupt mit der Wimper zu zucken. Das war eine Erfahrung, die ich als sehr prägend empfand und die ich deswegen gerne mit euch teilen wollte.

Bild von der Fotografin Vivien Huss, Yasmin bei einer Rede während eines Anti-Rassismus-Protests in Saarbrücken.


Amina (19 Jahre alt, Hamburg)


Ich war schon sehr lange in eine Theater-AG gewesen. Vor ein paar Jahren durfte ich dann in die große Theater-AG unserer Schule wechseln. Das war ein großer Meilenstein für mich, da es auf unserer Schule dies bezüglich kaum besser geht.


Wir sollten dann für die Theater-AG der Schule mal eine Umfrage zu einigen Themen in der Innenstadt machen und ich bin mit meiner damaligen besten Freundin dort herumgelaufen. Sie hat im Vergleich zu mir blonde Haare und eine helle Haut. Man konnte direkt sehen, wie die Leute mich anders behandelten, als sie meine Freundin behandelten. Ich habe sie damals dann auch darauf angesprochen und sie meinte, sie hätte das selber gar nicht so empfunden. Ich jedoch schon. Die Art wie die Menschen mit mir umgegangen waren, wie ruppig und gemein sie mir gegenüber wurden und mit welchen Blicken sie mich angeschaut hatten, obwohl ich die gleichen Fragen, wie meine Freundin gestellt hatte. Das waren Erfahrungen, bei denen ich im Nachhinein dachte, dass wenn ich hellere Haut gehabt hätte, sie mich anders behandelt hätten. Es war nämlich recht offensichtlich, dass die Passanten die hellhäutige, blondhaarige Person anders behandelt hatten als mich, obwohl ich ebenso höflich ihnen gegenüber gewesen war.


Ebenso gab es oft Situationen, bei denen ich in der Stadt unterwegs war und mir Leute hinterhergerufen haben, dass ich zurück in mein Land gehen solle. Manchmal sagten sie auch das N-Wort. Irgendwann hat mich das allerdings nicht mehr berührt und ich habe gelernt es gekonnt zu ignorieren, aber man erinnert sich natürlich dran. Die Erinnerung bleibt und wenn Leute mich darauf ansprechen, wie gerade jetzt, dann kommt alles wieder hoch. Das ist aber auch nur ein kleiner Teil meiner Rassismus-Geschichte.